Erinnerungsweg am 9. November 2008

Anlässlich des 70. Jahrestages der Reichspogromnacht luden Kirchengemeinden aus dem Prenzlauer Berg am 9. November 08 zu einem Erinnerungsweg in der Schönhauser Allee ein. Das Gedenken stand unter dem Motto “Wir waren Nachbarn…”. Es begann um 17.00 Uhr in der katholischen Kirche “Herz Jesu”. Schon vor Beginn war die Kirche überfüllt, so dass hunderte Besucher hinten und an den Seiten stehen mussten, viele weitere warteten auf der Straße vor der Kirche.

Nach der Andacht führte der Gedenkweg entlang der Schönhauser Allee vorbei an vielen Orten, an denen sich in den 30er Jahren noch jüdische Geschäfte, Arztpraxen, Werkstätten oder andere Einrichtungen befunden hatten. Eine freundliche Eskorte von Polizisten sperrte dazu die jeweilige Seite der Schönhauser Allee ab. Auf großen Tafeln wurde auf Namen und Einrichtungen hingewiesen, so z.B. in der Schönhauser Allee 124: „Kinderarzt Dr. Wilhelm Kassel, gestorben 1941 in Theresienstadt“. Durch Kerzen, Blumen und Musik wurde dem großen Schmerz, der an diesem Abend so spürbar wurde, Ausdruck verliehen.

An drei Stationen gab es kurze Ansprachen. Am Auerbach’schen Weisenhaus (Nr. 162) sprach der Bürgermeister Matthias Köhne ein Wort des Gedenkens. An diesem Ort kreuzte sich der Erinnerungsweg mit dem Gedenkweg von Schülern der Kurt-Schwitters-Oberschule. Beim ehemaligen Kaufhaus Lamm (Ecke Danziger Str.) sprach Dr. Hermann Simon, der Direktor des Centrum Judaicum. Er hatte den Erinnerungsweg schon im Vorfeld stark mit unterstützt. Im Hof der ehemaligen Essigfabrik Nordring (Nr. 72 c) sagte Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse in einem Schlusswort: “Wir waren Nachbarn! – Und vergessen wir nicht, es waren unsere Eltern, unsere Großeltern, die vielleicht weggeschaut, vielleicht zugesehen haben. Wir dürfen und wollen aber nicht daran vorbeisehen, dass auch heute wieder Menschen anderen Glaubens verunglimpft, angegriffen und verachtet werden. Und wer, wenn nicht wir Christenmenschen, sollten in der Lage sein, hier ein Zeichen der Solidarität zu setzen?”

Der Gedenkweg, der vom Arbeitskreis Ökumenisches Straßenfest in Zusammenarbeit mit der Herz Jesu Gemeinde vorbereitet wurde, war eine beeindruckende Demonstration der Christen in unserem Kiez. Ursprünglich hatte man mit ca. 250-300 Teilnehmern gerechnet. Dass es dann fast 2000 waren, war ein ermutigendes Zeichen!

Wolfgang Schulz und Katharina Jany

Bilder vom Erinnerungsweg

Flyer mit Straßenplan als PDF

Flyer mit Straßenplan als PDF

Bilder vom Erinnerungsweg

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